Radination "Blind Spot" Drucken
Geschrieben von: Steffen   

(2009, Eigenvertrieb)

Zuerst ein Rythmusei. Dann ein Disko-Schlagzeug, bei dessen ersten Beats mich die Angst packt, es könne ein „Thriller“-Zombie bevorstehen. Aber nein. Radinations Erstling ist eher ein uneheliches Kind vom alten (oder aktuellen?) Übervater Notwist denn ein Indie-Widergänger. Ruhige Stücke, Keyboard-Elektro-Einsprengsel und dieser lethargische, aber keineswegs unangenehme Gesang... Weil jedoch daneben auch Kashmir und Deus als Eltern angegeben werden, wäre wohl ein DNATest fällig. Trotzdem erinnert „Blind Spot“ mich vor allem an „The Devil, you and me“ der Erstgenannten. Denn der Fokus der Leipziger liegt klar auf zwar durchaus verschiedenen, aber immer nachdenklichen, süß-melancholischen Stücken. Wenn jetzt ein Stammgast „Weichspüler!“ ruft, sei ihm verziehen. Wenn er „Indie?“ murmelt, nun: Mehrere Jahre Indie-Disko im inzwischen geräumten örtlichen AKW haben meine Definition jenes merkwürdigen Genres geprägt. Ich verstehe darunter aufdringliche, laute Bands, die zu prätentiös für Bayern 3 sind, und zu deren desaströsen Geklänge Physikstudenten mit bunten Mützen berauschte Sozialpädagoginnen antanzen können. Wirklich laut oder aufdringlich sind Radination jedoch nicht. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Männchen mit ausgefallener Mütze diese Platte auflegen, um Weibchen zu beeindrucken – aus diesem Grund dürfte es Alternativrock geben. Falls dem so ist, dann aber wohl eher zum Liebesspiel („The Award For Your Efforts“). Zudem bemühen sich die Vier innerhalb ihres Kurses um Vielfalt. So weckt beispielsweise „Go on“ mit seinen Keyboard-Streichern längst verschüttete Erinnerungen an Silverchairs „Neon Ballroom“. Gerne würde ich näher auf diesen Vergleich eingehen, aber jene CD starb seinerzeit den Neunziger-Jahre-man-war-ich-jung-Tod an Kratzwunden, und so kann ich mich lediglich auf meine Erinnerung berufen. Und die schreit nunmal „Silverchair“, wenn ich den Track höre. Das gedämpfte „If“ gibt sich dagegen als Elektro unter Morphium. Manche der Stücke gegen Ende, insbesondere das gitarrenbetontere „Shooting Star“ erinnern mich an die holländischen Lawn. Warum auch Electric Magic-Leser „Blind Spot“ in Erwähnung ziehen sollten? Nun, erstens kann man bei manchen Damen einfach kein Doom oder Psychedelic auflegen. Also seid ihr zweitens gezwungen, euch nach Alternativen umzusehen. Wenn ihr drittens noch positive Jugend- Erinnerungen an Alternativ-Rock (daher der Name?) mitbringt, bieten Radination viertens ein durchaus anständiges, melodisches Debütalbum zwischen selbigem und Pop, welches fünftens leichtverdaulich, aber eben auch nicht allzu seicht ist. Erwerbbar ist das gute Stück übrigens über die Band direkt für zehn Euro, was ich (Punkt Sechs!) für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis halte.

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www.myspace.de/radination