Mukra "Vergölst" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, I Love Marbach Records - EP)

Na toll! Begleitet von einem Pressetext voller Eurodance- und Soljanka-geschwängerten „Augenzeugenberichten“ flattert eine hübsch aufgemachte 7“-Scheibe ein, und promt geht Papas alter Plattenteller zu Bruch. Da ich das Ding immer noch nicht repariert habe, halte ich mich also an die handgemachte „Vergölst“-CD. Soweit ich mich erinnere, wurde auf der Platte die untergründige Produktion etwas nachgebessert. Was ich sicher weiß: Mukra sind zwei Jungspunde von drüben, Schlagzeug und Gitarre mit viel Effekten und Loopstation. Raus kommt ein Gebräu aus Noise und Math. Das heißt: auf den dargebotenen vier kurzen Songs drücken sich die Breaks die Klinke in die Hand – Groove gedeiht in dieser Umgebung nur selten. Die EP anzuhören ist wie Karusselfahren: in einem Augenblick schön, im nächsten stockt die Fahrt, dann fragt man sich, was das jetzt für ein Geräusch war, und am Ende hat man genug. Was noch? Sporadisch Fremdkörper wie Xylophon und ulkiges Freejazz-Saxophon („Dresche“), auf „Lebendrind“ und „Nickel“ englischer Gesang. Unterm Strich eher ein Frühwerk für Freunde.

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mukra.de
www.myspace.com/mukra

 
The Grand Astoria PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2009, Eigenproduktion)

Lange genug kamen aus Russland nur Väterchen Frost, Schachweltmeister und Fußballclub-Aufkäufer. Doch nun zu etwas völlig anderem, einem Debütalbum aus Sankt Petersburg. Ein sphärischer Anfang aus verfremdetem Gebrabbel und Effektgesause, dann ein unverfälschter Gitarrenlauf, der auch eine Metallica-Ballade aus den Neunzigern einleiten könnte... Aber nein, stattdessen wird der Gang eingelegt, der Verzerrer getreten und Fahrt aufgenommen. Infolge pflügt sich die erst letzten April gegründete Band spielerisch durch eine Menge Westimporte. Und ich meine eine Menge, im Grand Astoria sind viele Zimmer frei.

Die Band macht zwar nach Eigenaussage „irgendwas mit Stoner“, wer hier eincheckt, sollte aber mehr als monotones tiefgestimmtes Gestampfe erwarten. Unbeschwert mischen die Astorianer edle Tropfen aus Hardrock, Metal, Psych und mehr in ihren bunten Cocktail. Ein gutes Beispiel: das 13- minütige „The Man. The Sun. The Desert“. Hier mündet eine entspannte bluesige Stimmung (aus 70er-Quellen) in guten (alten) Metal-Riffen, um schließlich in psychedelischen Klängen zu versickern. Da tanzt der Bär, wenngleich die F-F-G-Tonfolge am Ende leicht nervig, da etwas zu hoch ist.

Einen Wermutstropfen gibt es dann doch: Den Gesang. Nicht, weil Russisch mal was anderes gewesen wäre als das ewige Englisch, sondern weil er stellenweise arg schief ist. Halb so schlimm, auf der Hälfte der sechs abwechslungsreichen Stücke hält sich Frontmann Kamille Sharapodinov zurück. Und da ihr sie für umme runterladen könnt, spare auch ich mir große Worte: tut es einfach.

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Black Space Riders PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Maren   

(2010, Sound Guerilla)

Mal abgesehen davon, dass allein schon das Lesen der Trackliste schon ziemlich unterhaltsam ist – in jedem Titel kommt entweder Black, Space oder Rider vor – ist das Debüt der Münsteraner Space Rocker (wer hätte es gedacht!) auch musikalisch ziemlich überzeugend: mal tonnenschwer, mal fluffig-leicht rocken die 4 Herren „untenrum breitbeinig und den Kopf irgendwo da oben im Spiralnebel“ - wie es die Info so schön treffend beschreibt. Dass stimmlich manchmal eine leichte Ähnlichkeit zu Chrome Divisions ehemaligem Sänger Eddie Guz gezogen werden kann, kann wohl als Kompliment aufgefasst werden. Und auch sonst bekommt man bei „Black Space Riders“ alles, was das Herz begehrt: von einnehmenden, krachenden Stücken, über verträumt-schwebende Melodien bishin zu staubtrockenem, rohem Material ist hier alles vertreten, was einem das gleiche zufriedene Grinsen über das Gesicht wischt, das man schon vor dem Hören drauf hatte. Daumen hoch für ein abwechslungsreiches, sehr gut produziertes Debüt einer klasse Band!

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blackspaceriders.com
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Lucifer Was "The Crown Of Creation" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, Transubstans)

Lucifer Was, weiß das lebende Musiklexikon (und in meinem Fall der Pressezettel), sind progressive Hardrocker, die sich in Oslo seit vierzig Jahren halten. Das vorliegende Album Nummer Fünf hat man in enger Zusammenarbeit mit dem Kristiansander Symphonie-Orchester aufgenommen. Ich fasse zusammen: vierzig Jahre, Hardrock, Orchester. Retrorock-Opas machen eine Retro-Rockoper. Soweit, so bösartig. Aber nicht ganz unpassend. Jon Ruder singt klassisch, aber halt auch schmalzig. Und manchmal wird´s zu dick, so im Titelstück. Da verkleben Zeilen wie „like candles in the wind“, begleitet von Streichern und an Scorpions-Balladen erinnernden Gitarrenläufen den Gehörgang.

Nach all dem Gemecker zur Haben-Seite: erwartungsgemäß viel Melodik, das Orchester ist sehr gut einbezogen, der oft übliche, ganz dicke Bombast wird vermieden. Michala Petri sporadische Querflöten-Parts bereichern das Album, anstatt nur zum x-ten Mal prominenten Vorbildern nachzupfeifen. Ebenso wird Rudens Gesang ab und an durch Deb Girnius unterstützt, was taugt. Übrigens hat sich ein Aufnahmefehler ist das Intro eingeschlichen; da Transubstans uns inzwischen leider auch nur noch mit MP3s anfüttert, bleibt unklar, ob dieser auf dem Album auftaucht.

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www.luciferwas.com

 
Blue Soul Festival PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Honsel   

09. & 10.04.2010, Cairo/Würzburg

Investigativer Journalismus auf höchstem Niveau: Der Gärtner ist immer der Mörder und wenn Jemand wirklich intime Einblicke hinter die Kulissen bekommt, dann ist es wohl das Küchenpersonal. Also scheute ich weder Kosten noch Risiken, schonte auch die eigene Gesundheit nicht und schlich mich als Koch auf das Blue Soul Festival in Würzburg ein. Lesen Sie weltexklusiv meinen erschütternden Bericht!

An den Feuerstellen des Showbusiness beginnt der Tag früh. Mitternacht liegt kaum neun Stunden zurück, der Großteil der Republik liegt noch satt und zufrieden, der Mühen des Werklohnsklaven ledig, zwischen weichen Daunen, da binde ich mir bereits die Schürze um und wuchte mit schmerzenden Gelenken Töpfe von der Größe eines Pershing-Gefechtskopfs auf die heißen Platten einer kalt durchkalkulierten Kommerzveranstaltung. „Underground“? Nur ein den Verkauf anheizendes Label bei einer Kapazität von geschätzten 180 Besuchern und einigen der größten Namen der internationalen Rockmusikszene. Den ganzen Tag waten wir durch Kartoffelschalen, rühren mit wunden Händen in den ihrem traurigen Ende zugeführten Produkten mechanisierter Massentierhaltung und der Discounter-günstigen Überproduktion eines quasi-faschistischen europäischen Wirtschaftsraumes.

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