The Machine "Drie" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, Elektrohasch)

Ein Blick in die von Electric Magic betriebene Kristallkugel zeigt: Die spielfreudigen Maschinisten werden wohl im September ihr Album (Nummer) Drie präsentieren. Der Kurs ist klar: Nach wie vor orientiert man sich an den drei Fixsternen Colour Haze, Kyuss und Jimi Hendrix. Zwischen ruhigen melodischen Zwischenparts türmen Fuzz und Wah-Wah dicke Stoner-Wellen auf. Mit dem keinesfalls unangenehmen Gesang geht man immer noch sparsam um.

Die ersten drei Songs erinnern stark an Vorgängeralbum. Wie „Solar Corona“ aber gezeigt hat, kann dieses auf Dauer zu vertraut-eintönige Konzept kein ganzes Album tragen. Glücklicherweise brechen die Drei es mit dem nachfolgenden kurzen „Aurora“ auf, einer Kombination von Akkustikgitarre und hintergründigem Effektgewaber. Aufregend wird´s aber erst mit dem in drei Abschnitte unterteilten Viertelstunden-Monster „Tsiolkovsky's Budget“. Hier werden die hohen Gitarrenklänge, mit denen Kyuss´ „El Rodeo“ beginnt, auseinandergenommen und neu zusammengesetzt; daraus entwickelt sich ein schwer Colour Haze-lastiges Brett, zum Schluss faucht sich das analoge Delay zu einer monotonen Basslinie aus. Mit dem sich langsam entfaltendem, zuerst fein melodiös-psychedelischen „First Unique Prime“ wagt man sich weiter aus dem Schatten der großen Vorbilder heraus, wobei das Finale freilich den Wah-Wah-Geist der härteren 70er ausstrahlt. „Jam No. Psi“ schließlich ist ein weiterer Kniefall vor Hendrix. Der sich schnell anschließende Bonustrack überrascht noch einmal mit für die Band untypischem Stonerdoom.

Was bleibt unterm Strich? The Machine bleiben zwar stellenweise noch in den tiefen Fußstapfen der Vorbilder stecken, bemühen sich im Vergleich zu „Solar Corona“ aber um (etwas) mehr Abwechslung. Wo sie das tun und ihren Songs genug Zeit geben, kommen durchaus feine Stücke raus; die Stärke der jungen Niederländer liegt aber nach wie vor im improvisationsreichen Live- Auftritt. „Drie“ ist kein schlechtes Album, bei dem Freunde der Band zugreifen, Anhänger der besagten Referenzen zumindest mal reinhören können.

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Been Obscene "The Magic Table Dance" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, Elektrohasch)

Was denn, Stonerpop? Mit diesem merkwürdigen Begriff wird das Debüt der vier Salzburger mancherorts eingeordnet. Aber nööö... Die vorliegende Platte ist weder überproduziert, weichgespült oder auf Mainstream gebürstet. Klar, wie beim Label-Flaggschiff Colour Haze auch liegt der Schwerpunkt eher auf ausgeklügelten Melodien denn auf harten Gitarren; stampfende Grooves sucht man besser woanders. Als wirklicher Verlust fällt das nicht mal auf, denn natürlich dominieren nach wie vor die beiden Gitarren; zudem ist das Songwriting von Been Obscene beachtlich, die Stücke abwechslungsreich und durchaus gefällig. Wie gesagt sind natürlich die genannten Farbwirbel aus München ein wesentlicher Einfluss. Allerdings hört man auch ein wenig 70er-Anleihen heraus. Deutlichere Spuren aber hat der alternative Rock der 90er hinterlassen. Heraus kommt so oder so ein durchaus eigenständiger Klang. Lediglich der ungefähr auf der Hälfte der Stücke dargebotene Gesang ist durchschnittlich, ansonsten haben Been Obscene ein ausgereiftes Debüt vorgelegt.

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JPT Scare Band "Acid Blues Is The White Man´s Burden" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Chris   

(2010, Ripple Music)

Cooler Albumtitel für eine recht kultige Band kann man zunächst sagen, auch wenn das Coverdesign diesmal eher in die Kategorie „Aua“ geht. Oder ist das vielleicht die Vision von Acid Blues in den Augen eines Farbblinden? Die „neue“ JPT klingt dann erst mal gar nicht so sehr nach dem Stoff der z.B. bekannten „Sleeping Sickness“, sondern eher nach relativ glattem 90er Jahre Bluesrock, wurde allerdings zum großen Teil in den Jahren 2001 – 2005 aufgenommen, mit Ausnahme zweier Tracks aus den 70ern.

Wie eh und je muss man leider sofort auch die Produktion bemängeln. Im ersten Song nervt ein überlauter Bass, der Großteil des Albums wurde leider sehr dilettantisch gemixt und die alten Aufnahmen rauschen wieder mal mehr als man es im Jahr 2010 noch hören möchte. Sorry, aber dafür gibt es doch mittlerweile selbst im Media Markt Programme zum Rauschfiltern, die auch meine technikunbedarfte Schwester benutzen kann. Wieso nicht JPT bzw. deren Produzent??? Weil es in Amiland keinen Media Markt gibt? Na, lassen wir das.

Wie vermutet gehen dann auch die restlichen Songs in Richtung Bluesrock mit den berüchtigten ellen- und überlangen Gitarrensoli. Leider ist das Album sehr durchwachsen, manche Nummern sind ganz nett, manche sind eher langweiliger Standartkram; den jede x-beliebige Oldieblues-Band spielen könnte und manchmal ist die Soundqualität eher zum wegschalten, vor allem wenn die Anlage nicht besonders gut ist und man ungeschützt dem „weißen Rauschen“ ausgeliefert bleibt. Was mir hier vor allem fehlt ist die ungestüme Wildheit der jungen Jahre, in denen die JPT Scare Band auch Blue Cheer locker an die Wand gespielt hätte. Diese CD ist damit sicher eher nur was für Hardcore-Fans und Sammler oder Leute, die der Welt beweisen wollen, dass sie besonders obskure Bands kennen.

 
Rancho Relaxo "New Kind of Orchide" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, Merlins Nose)

Vier Hippies, die sich „tief in der Wildnis Norwegens” in einer Villa einquartieren und „Shoegaze und Psychedelic-Rock kreuzen”? Gerade recht, dachte sich Merlins Nase, um mein erster Auswurf zu werden. Wobei Shoegaze nicht unbedingt trifft - die 15 Lieder verzichten nämlich auf große Effekthascherei und verbreiten überraschend gute Laune. Selbst Stücke wie „Road Raged the Fuck out” bleiben recht entspannt. Klar gibt es ein wenig Elektro-Orgel, aber gerade die eingängige, aber auf Dauer wenig abwechslungsreiche Gitarre weckt eher Indie-Erinnerungen. Auch leiden Rancho Relaxo unter der hausgemachten Lo-Fi-Produktion. Das macht sich insbesondere beim verhallten Gesang bemerkbar, der ein bißchen klingt wie aus einem Dosentelefon in die Vergangenheit. So ziehen die 55 Minuten ohne rechte Höhe- oder Tiefpunkte an einem vorbei.

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Irata PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2010, Silber)

Freunde der härteren Instrumentalmusik sollten ein Auge auf die jüngste (Wieder-)Veröffentlichung des Dröhn-Labels Silber Records werfen. Das selbstbetitelte Debüt von Irata aus dem Jahre 2008 steht dort zum digitalen Download bereit. Einige Titel, auf denen der Gitarrist des Trios zum Saxophon greift, so der Opener „Infinity Eight“ oder „Eye of Ra“, erinnern an die ebenfalls vorgestellte neue Seven that Spells-Scheibe und zählen zu den Höhepunkten des Albums. Wobei ich nicht den Rest herabwerten möchte, schließlich ist das ganze Album atmosphärisch dicht und druckvoll. So seien „Clown Rehab“ oder „Angel´s Share“ als weitere Anspieltipps genannt. Die Truppe aus North Carolina bietet guten, heftigen instrumentalen Rock, nicht mehr und nicht weniger.

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iratalive.com
www.myspace.com/iratalive

 
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