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Asteroid Interview PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Honsel   

Lange geplant und oft verschoben haben wir es nun doch noch geschafft, ASTEROID kurz vor Veröffentlichung ihres zweiten Albums „II“ (richtig, nomen est omen…) vors Mikro zu zerren. Neben Graveyard, Mangrove, Horisont und den kürzlich (vorerst?) verblichenen Witchcraft (um nur einige wenige Namen zu nennen) zählen ASTEROID zu den interessantesten Vertretern der zeitgenössischen schwedischen 70er-/Retro-Rock Bewegung. Neben knusprigen Anekdoten gewährten uns die Burschen auch Einblicke in ihre Arbeitsweise und Lebenseinstellung. Nicht einmal die Mühe einer Übersetzung hat sich Dr. Honsel aka Dr. Heisenegger aka Dr. Lachs erspart. Wie wir uns alle beim heiteren, gegenseitigen Auf-die-Schulter-klopfen auf Englisch einen abbrechen, könnt Ihr bei Interesse aber auch weiter unten ungeschönt nachlesen.

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Mukra, Tarentatec, Osis Krull PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

31.01.2010, Bechtolsheimer Hof/Würzburg

Ehrlich gesagt, hat mich der merkwürdige Titel der Veranstaltung – „Freakshow-In-Concert- Spätmatinee“ – erst vermuten lassen, dass es Sekt und Schnittchen geben würde; ich war ein wenig unsicher, ob ich nicht doch besser die Krawatte... Aber Pustekuchen. Am schönen Sonntag Nachmittag traf sich der musikalische Untergrund im Kellergewölbe des altehrwürdigen B-Hofs. Entweder der unterfränkische Untergrund ist nicht sooo groß, wie es eine progressive Provinz auf Weltniveau wie Würzburg erwarten ließe, oder die Leute waren noch Schlittenfahren. Natürlich immer schade, aber selber schuld. An den lumpigen sechs Euro Eintritt wird’s nicht gelegen haben, dass sich nur zehn zahlende Gäste (und eine Gästin) einfanden. Vielleicht am „Spätmatinee“? Egal, dafür kam man in den Genuss einer flauschigen Wohnzimmer-Atmosphäre. Insgesamt drei Bands von Discorporate Records gaben sich im Rahmen ihrer aktuellen Tour ihr Stelldichein, und die Empfehlung lautet, kurz gesagt: geht hin.

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Radination "Blind Spot" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2009, Eigenvertrieb)

Zuerst ein Rythmusei. Dann ein Disko-Schlagzeug, bei dessen ersten Beats mich die Angst packt, es könne ein „Thriller“-Zombie bevorstehen. Aber nein. Radinations Erstling ist eher ein uneheliches Kind vom alten (oder aktuellen?) Übervater Notwist denn ein Indie-Widergänger. Ruhige Stücke, Keyboard-Elektro-Einsprengsel und dieser lethargische, aber keineswegs unangenehme Gesang... Weil jedoch daneben auch Kashmir und Deus als Eltern angegeben werden, wäre wohl ein DNATest fällig. Trotzdem erinnert „Blind Spot“ mich vor allem an „The Devil, you and me“ der Erstgenannten. Denn der Fokus der Leipziger liegt klar auf zwar durchaus verschiedenen, aber immer nachdenklichen, süß-melancholischen Stücken. Wenn jetzt ein Stammgast „Weichspüler!“ ruft, sei ihm verziehen. Wenn er „Indie?“ murmelt, nun: Mehrere Jahre Indie-Disko im inzwischen geräumten örtlichen AKW haben meine Definition jenes merkwürdigen Genres geprägt. Ich verstehe darunter aufdringliche, laute Bands, die zu prätentiös für Bayern 3 sind, und zu deren desaströsen Geklänge Physikstudenten mit bunten Mützen berauschte Sozialpädagoginnen antanzen können. Wirklich laut oder aufdringlich sind Radination jedoch nicht. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Männchen mit ausgefallener Mütze diese Platte auflegen, um Weibchen zu beeindrucken – aus diesem Grund dürfte es Alternativrock geben. Falls dem so ist, dann aber wohl eher zum Liebesspiel („The Award For Your Efforts“). Zudem bemühen sich die Vier innerhalb ihres Kurses um Vielfalt. So weckt beispielsweise „Go on“ mit seinen Keyboard-Streichern längst verschüttete Erinnerungen an Silverchairs „Neon Ballroom“. Gerne würde ich näher auf diesen Vergleich eingehen, aber jene CD starb seinerzeit den Neunziger-Jahre-man-war-ich-jung-Tod an Kratzwunden, und so kann ich mich lediglich auf meine Erinnerung berufen. Und die schreit nunmal „Silverchair“, wenn ich den Track höre. Das gedämpfte „If“ gibt sich dagegen als Elektro unter Morphium. Manche der Stücke gegen Ende, insbesondere das gitarrenbetontere „Shooting Star“ erinnern mich an die holländischen Lawn. Warum auch Electric Magic-Leser „Blind Spot“ in Erwähnung ziehen sollten? Nun, erstens kann man bei manchen Damen einfach kein Doom oder Psychedelic auflegen. Also seid ihr zweitens gezwungen, euch nach Alternativen umzusehen. Wenn ihr drittens noch positive Jugend- Erinnerungen an Alternativ-Rock (daher der Name?) mitbringt, bieten Radination viertens ein durchaus anständiges, melodisches Debütalbum zwischen selbigem und Pop, welches fünftens leichtverdaulich, aber eben auch nicht allzu seicht ist. Erwerbbar ist das gute Stück übrigens über die Band direkt für zehn Euro, was ich (Punkt Sechs!) für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis halte.

...mehr Infos:
www.myspace.de/radination

 
Giant Squid "The Ichthyologist" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2009, Eigenvertrieb/Translation Loss)

Meeresfrüchte-Monat bei Electric Magic! Wenn hier schon Ahab und die Mainschiffer von Captain Duff aufkreuzen, muss auch das neue (P)Fund von Giant Squid seziert werden. Deren vielumjubeltes Debüt „Metridium Fields“ hat ja zumindest jenseits des Atlantiks berechtigterweise für allerhand Wirbel gesorgt. Umso schöner, dass Anfang des letzten Jahres die direkt georderte Fuhre mit fünf Tonnen Band-T-Shirts, 7“-Split und dem ersehnten Nachfolger „The Ichthyologist“ bei mir eintraf. Das Ding sprengte nicht nur mein Buchstabierkünste, sondern auch meine Erwartungshaltung. Wie es so oft nach einem Über-Debüt passiert, war ich anfangs allerdings enttäuscht. Das sollten Giant Squid sein? Klar, der Gesang von Mastermind Aaron Gregory war noch wiederzuerkennen. Aber seit wann sind die so ruppig? Fehlt da nicht was? Aye. Ein gutes Stück Harmonie: Der gute Mann und seine vormalige Ehefrau gehen inzwischen getrennte Wege. Mit der ehemaligen Frontfrau entfällt aber sein Gegenpart für und mit Keyboard, Gitarre, Banjo und Gesang, was den Vorgänger so bemerkenswert melodisch-groovig machte. Ein solcher Verlust wirkt sich aus. Wie Gregory 2006 äußerte: „Aurielle joined about six years ago. We were more a dark reggae punk rock band [namens Koi], like Crass, the Clash or Citizen Fish. But we just got slower and slower.“ Nach dem Verlust von Aurielle „Back to Mädchenname“ Zeitler ergänzten die Gründerväter Gregory und Basser Bryan Beeson des Kraken Kern um den x-ten Schlagzeuger – ein Arbeitskollege von Aquariumstaucher (!) Aaron. Für´s Extravagante zuständig ist nunmehr Jackie Perez-Gratz von Grayceon, ehemaligen Labelpartnern aus den Tagen bei The End Records. Mit denen hat man 2007 besagte 7“-Split-Vinyl „Sutters Fort/The West“ aufgenommen, die ich (2x7 min. für 8 $ + Versand) allerdings nur eingefleischten Fans und Sammlern empfehle. In Punkto Albumdesign hat man in ihr passenden Ersatz für die Verflossene gefunden (ruf mich an!): Perez-Gratz versah den weißen Pappschuber mit einigen wunderschönen zoologischen Zeichnungen Ernst Haeckels. Wobei erwähnt werden sollte, dass es sich bei besprochener CD noch um die inzwischen vergriffene Erstauflage handelt; wie beim Vorgänger erschien die erste Pressung abermals im Eigenverlag. Da Produzent Matt Bayles (u.a. Isis, Mastodon sowie Minus the Bear, Mono) für die von Translation Loss verlegte Scheibe allerdings lediglich einige Stücke neu abgemischt haben soll, dürfte eine Besprechung der alten Ausgabe aussagekräftig genug bleiben. Die aktuell erhältliche Auflage schmückte Comic-Künstler Sam Kieth. Zufall? „The Ichthyologist“ basiert zumindest auf einer gleichnamigen „graphischen Novelle“ Gregorys.

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Captain Duff "Seaside Curse" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Steffen   

(2009, Eigenproduktion)

Anfang der Neunziger wurde mal bei einem schweren Sturm ein Container mit tausenden von Gummienten über Bord eines Frachters gespült. Die treiben noch heute umher und werden in den entlegensten Gegenden der Welt gefunden. Wisst ihr schon längst? Na gut, dann macht euch bereit für echten Enthüllungs-Journalismus: Zur selben Zeit soll auch mal ein Boot mit Turbonegro, Saxon, Glenn Danzig und Motörhead in internationalen Gewässern schwer Party gemacht haben. Von einer Flutwelle erfasst, wurden Teile der lautstarken Rasselbande über Bord gespült. Die Folgen dieses verschleierten Unglücks trieben auch mainaufwärts. Sie finden sich heute im beschaulichen Würzburg wieder. Auftritt Captain Duff. Deren Debüt-Demo „Herbipolian Nightmare“ heimste 2007 schon so einige positive Resonanz ein; Auftritte mit allerlei schwedischen wie amerikanischen Dickschiffen wie Asteroid, Truckfighters, New Disaster folgten. Also wird der Weg auf dem ersten Album „Seaside Curse“ konsequent weitergefahren: Der Rumpf aus rumgetränktem Hardrock, sturm- und wurmfest gemacht mit Planken aus dem guten alten Schwermetall, das man eigentlich nur noch in den Achtzigern/Neunzigern auftreiben konnte. Dementsprechend dampf- und stampfend treibt das Album voran. Und von der Brücke der fünf fliegenden Franken singt mit Captain Dave der Wiedergänger von Glenn Danzig. Ich hatte mir bislang unter „Captain Duff“ eine dieser zahllosen bemühten Regionalbands vorgestellt und sie bislang gemieden, muss aber neidlos zugeben: Nix da! Was die fünf Seeteufel da abliefern, ist erfrischend gradliniger, eingängiger, hüstel: „Nihilist Bloodsucker Rock“, der ähnlich viel Spaß macht wie die großen, oben genannten Vorbilder. Natürlich nichts neues oder hochgradig anspruchsvolles. Knallt aber Breitseiten und liefert die nötigen Solos, um die betrunkene Luftgitarre anzuwerfen. Wirklich überrascht hat mich der durchgehend gelungene Gesang: verraucht, aber deutlich, und vor allem bemerkenswert energisch. Respekt! Hier scheint jemand wirklich einen kleinen Glenn im Bauch zu haben. Apropos Bauch: Das Cover ist Geschmackssache, aber wichtig ist, was drin ist: sieben neue Songs, drei von der alten Demo. Da die ihr Niveau halten, gibt’s keinen Anspieltipp. Dennoch kann ich euch trotz extremer Befangenheit – Gitarrist Dirty el Hons treibt Gerüchten zufolge auf dieser Seite sein Unwesen (und weiß wo ich wohne) – mit gutem Gewissen empfehlen, einfach mal reinzuhören.

...mehr Infos:
www.myspace.com/captainduff

 
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